Wer ist eigentlich ostdeutsch? Newsletter vom 2.10.2026 im Rahmen meines Buchprojekts "Vom Beitrittstrauma der Ostdeutschen zur Wiedervereinigung der Herzen"

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Wer ist eigentlich ostdeutsch? Newsletter vom 2.10.2026 im Rahmen meines Buchprojekts "Vom Beitrittstrauma der Ostdeutschen zur Wiedervereinigung der Herzen"

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Ich habe die These, dass die Ostdeutschen Anfang der 1990er Jahre ein kollektives Trauma erlebt haben, hervorgerufen durch den wirtschaftlichen Niedergang sowie durch Heimat- und Identitätsverlust. Ein kollektives Trauma ist im Unterschied zum individuellen Trauma dadurch gekennzeichnet, dass es von Menschen erlebt wird, die eine gemeinsame Identität, Zugehörigkeit oder Lebenslage haben.

Allein die Zugehörigkeit zum Kollektiv führt dazu, dass man an dem kollektiven Trauma teilnimmt. Auch wenn jemand in Ostdeutschland damals Anfang der 1990er Jahre nicht arbeitslos geworden sind, so hat er doch Angst davor gehabt. Er hat die Massenarbeitslosigkeit um sich herum gesehen, die Ängste, die Hoffnungslosigkeit, die Trauer, die Wut und die Verzweiflung der Menschen, mit denen er eine gemeinsame Identität hatte, gespürt. Auf diese Weise war dieser Mensch an das Traumafeld angeschlossen.

Auch die Kinder, deren Eltern nicht arbeitslos geworden sind, haben die überwältigenden Gefühle des Kollektivs in sich aufgenommen (das kann ich aus eigener Erfahrung berichten). Denn Lehrerinnen und Lehrer hatten Angst vor der Überprüfung, ob sie noch für den Öffentlichen Dienst geeignet sind, das Leben von Onkel, Tanten, Großeltern, Nachbarn usw. änderte sich massiv, usw..

Kollektive Traumata werden auch an die nächste Generation weitergegeben. Auch die Kinder derjenigen, die Anfang der 1990er Jahre ostdeutsch waren, gehören zu dem Kollektiv, das unter dem kollektiven Beitrittstrauma leidet.

Für die Frage, welchen Personenkreis das kollektive Beitrittstrauma der Ostdeutschen betrifft, ist es daher wichtig zu definieren, wer 2026 ostdeutsch ist. Die Soziologie wendet zur Beantwortung dieser Frage unterschiedliche Kriterien an. Und je nachdem, welches Kriterium man hernimmt, ist die Gruppe der Ostdeutschen im Jahr 2026 unterschiedlich groß. Der Anteil Ostdeutscher an der bundesdeutschen Bevölkerung variiert zwischen 16,7 und 26 %.

In diesem Newsletter bin ich der Frage nachgegangen, wer 2026 ostdeutsch ist.

Aber eins ist sicher: Das Sandmännchen ist ostdeutsch 😀.

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